Digestible Indispensable Amino Acid Score



Während der FAO Expert Consultation on Dietary Protein Quality Evaluation in Human Nutrition, 2011 in Neuseeland, wurde die bisher empfohlene Methode PDCAAS diskutiert. Es wurde u. a. die Wirksamkeit und der Nutzen des PDCAAS´, Vor- und Nachteile alternativer Methoden sowie die Notwendigkeit einer Überarbeitung oder Änderung der Methode überprüft.1

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählte, Aminosäuren in Nahrungsprotein wie einzelne Nährstoffe zu behandeln, die PDCAAS-Methode mit einer neuen Methode zu ersetzen, nämlich dem DIAAS (Digestible Indispensable Amino Acid Score), die Ermittlung der Absorption einzelner Aminosäuren anhand neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse über deren Verdaulichkeit besser abzuschätzen, die unterschiedlichen Anforderungen mit drei altersspezifischen Referenzproteinen abzubilden und eine generelle Kürzung des DIAAS´, wie zuvor des PDCAAS´, nicht vorzunehmen.2


11. Digestible Indispensable Amino Acid Score (DIAAS)

Die seit 20113 empfohlene, neue Methode zur Bestimmung der Qualität von Nahrungsprotein, der Digestible Indispensable Amino Acid Score (DIAAS), geht auf die Weiterentwicklung der PDCAAS-Methode zurück. Um genauere Werte zu erhalten, wird nun jeweils die Verdaulichkeit aller, hauptsächlich unentbehrlicher Aminosäuren, welche auch im Referenzprotein enthalten sind, einzeln betrachtet, im Gegensatz zur PDCAAS-Methode, welche die Verdaulichkeit des gesamten Nahrungsproteins nur pauschal berücksichtigt hat. Diese wesentliche Neuerung spiegelt sich auch in der Bezeichnung dieser Methode als Digestible Indispensable Amino Acid Score (zu Deutsch: Index verdaulicher, unentbehrlicher Aminosäuren) wider.

 

Wie wird der DIAAS berechnet?

Die Berechnung des DIAAS´ erfolgt anhand dieser Formel:


Digestible Indispensable Amino Acid Score=min({ ... ,
%-Anteil ASi,T x WIVi,T
%-Anteil ASi,R
 x 100, ... })

 ASi,T = unentbehrliche Aminosäurei im Test-Nahrungsprotein mit 1≤i≤n
 ASi,R = unentbehrliche Aminosäurei bzw. Aminosäurengruppei im Referenzprotein mit 1≤i≤n
 WIVi,T = wahre, ileale Verdaulichkeiti der Aminosäurei im Test-Nahrungsprotein mit 1≤i≤n
 n = Anzahl der Aminosäuren bzw. Aminosäurengruppen im Referenzprotein


Der DIAAS wird durch das Verhältnis des Anteils einer unentbehrlichen Aminosäure aus dem Test-Nahrungsprotein, multipliziert mit deren spezifischer, wahren, ilealen Verdaulichkeit, zum Anteil der entsprechenden Aminosäure des Referenzproteins, multipliziert mit dem Faktor 100, berechnet.

Handelt es sich bei der entsprechenden Aminosäure um eine Aminosäure, welche im Referenzprotein in einer Aminosäurengruppe enthalten ist, also um Methionin und Cystin oder Phenylalanin und Tyrosin, dann werden die beiden betreffenden Aminosäurenanteile im Test-Nahrungsprotein zuerst mit ihrer spezifischen Verdaulichkeit multipliziert bevor beide Teilergebnisse addiert und danach durch den Anteil im Referenzprotein dieser Aminosäurengruppe dividiert werden.

Genau wie bei den vorangegangenen Methoden, dem Chemical Score und dem PDCAAS, ist auch hier nur das kleinste Ergebnis, also das der limitierenden Aminosäure bzw. Aminosäurengruppe ausschlaggebend.

In der Berechnungsformel des DIAAS´ ist der Faktor 100 enthalten, das bedeutet, es wird ein prozentualer Wert zurückgegeben. Es wird jedoch bei Angabe des DIAAS´ für ein Lebensmittel, auch hier mathematisch nicht korrekt, meistens auf die Angabe in Prozent (%) verzichtet. So sieht die Darstellung der Wertigkeit beispielsweise für Vollmilchpulver folgendermaßen aus: DIAAS = 122.4

Anders als bei der Ermittlung des PDCAAS´ wird beim DIAAS die wahre, ileale Verdaulichkeit zur Ermittlung der Wertigkeit herangezogen. Dabei kann die ileale Verdaulichkeit, genau wie die fäkale Verdaulichkeit beim PDCAAS, nur absolute Werte zwischen 0 und 1 bzw. prozentuale zwischen 0 und 100 % annehmen. Doch was ist unter ilealer Verdaulichkeit zu verstehen?

 

Was ist ileale Verdaulichkeit?

Die ileale Verdaulichkeit ist die Verdaulichkeit bis zum Ende des Ileums. Ileum bezeichnet den letzten Teil des Dünndarms, der etwa 60 % der Länge des gesamten Dünndarms ausmacht.

Der Dünndarm des Menschen ist etwa 3 bis 5 m lang, beginnt direkt nach dem Magen und gliedert sich in drei Teilabschnitte. Der erste Teil ist der etwa 30 cm lange Zwölffingerdarm (Duodenum), danach kommt der Leerdarm (Jejunum) und den letzten Teil bildet der Krummdarm oder Hüftdarm, in der Fachsprache auch als Ileum bezeichnet. Das Ileum endet mit der Bauhin´schen Klappe und mündet dort in den Dickdarm.


Ansicht des Magens und des Darms beim Menschen, Ileum Krummdarm und seine Position

Abbildung 6: Ansicht des Magens und des Darms beim Menschen, Krummdarm (Ileum) und seine Position.


Die WHO Expert Consultion hat 2011 in Neuseeland beschlossen, die wahre, ileale Verdaulichkeit einzelner Aminosäuren bei der Ermittlung der Qualität von Nahrungsprotein zu verwenden. Dies bildet die tatsächliche Absorption der Aminosäuren im Körper deutlich besser ab, als die vorherige Näherung der Absorption bei der PDCAAS-Methode über die fäkale Verdauung des gesamten Proteins mittels des enthaltenen Stickstoffs.5

Die Bestimmung der wahren, ilealen Verdaulichkeit sollte dabei direkt beim Menschen für jede einzelne Aminosäure, welche auch im Referenzprotein enthalten ist, im zu untersuchenden Nahrungsmittel am Ende des Ileums, also unmittelbar vor dem Dickdarm, erfolgen. Nur falls Untersuchungen am Menschen nicht möglich sind, können in zweiter Linie auch heranwachsende Schweine oder in dritter Linie heranwachsende Ratten zur Bestimmung verwendet werden.6

Der Ausdruck der "wahren", ilealen Verdaulichkeit bezieht sich auch hier, ähnlich wie im Kapitel 10, PDCAAS, im Abschnitt "Wie wird die wahre Verdaulichkeit berechnet?" beschrieben, auf die Verdaulichkeit ohne körpereigenes Eiweiß. Es sind also Referenzstudien erforderlich, die mit einer eiweißfreien Diät den Anteil körpereigener Aminosäuren am Ende des Ileums ermitteln. Somit kann die tatsächliche, d. h. wahre Verdaulichkeit der im Nahrungsprotein enthaltenen Aminosäuren ziemlich genau bestimmt werden, ohne den verfälschenden Einfluss körpereigenen Eiweißes.

Die wahre, ileale Verdaulichkeit soll auch festgestellte Abweichungen von der tatsächlichen Absorption bei einzelnen Aminosäuren aus Lebensmitteln berücksichtigen, die antinutritive Substanzen enthalten.

 

Was sind antinutritive Substanzen?

Antinutritive Substanzen sind Inhaltsstoffe, welche die Verdaulichkeit und damit die Verwertbarkeit von verzehrten Nährstoffen herabsetzen können. In Pflanzen dienen solche antinutritiven Substanzen dem Selbstschutz vor Fressfeinden und vor Pilz- oder Schädlingsbefall. In der menschlichen und tierischen Ernährung können diese Substanzen aber toxisch wirken und die Verdaulichkeit anderer Nährstoffe negativ beeinflussen. Antinutritive Substanzen sind z. B. Proteaseinhibitoren, Lektine, Saponine, Phytinsäure, u. a. und können entweder bereits natürlich im Lebensmittel vorkommen oder bei der Verarbeitung, d. h. durch Erhitzung entstehen.

Es lassen sich viele antinutritive Substanzen aber auch durch Erhitzen deaktivieren. Allerdings können hierbei chemische Veränderungen, nämlich Oxidationen bei den Aminosäuren auftreten, sogenannte Maillardverbindungen. So kann beispielsweise die Bioverfügbarkeit von Lysin durch die chemische Veränderung gemindert werden und die Ermittlung der wahren Verdaulichkeit dieser Aminosäure erfordert deshalb eine besondere Vorgehensweise. Eine solch verminderte Bioverfügbarkeit, man spricht hier auch von chemischer Verfügbarkeit, einzelner Aminosäuren konnte bei der PDCAAS-Methode nicht abgebildet werden und die errechnete Wertigkeit ergab in solchen Fällen überhöhte Werte, d. h. die Proteinqualität wurde überschätzt.7

Ziel bei der Ermittlung der wahren, ilealen Verdaulichkeit ist also, nicht nur die Verdaulichkeit, sondern sogar die wahre Bioverfügbarkeit so gut wie möglich zu ermitteln. Bedauerlicherweise geht diese Verbesserung der Methodik aber nicht aus der Bezeichnung oder der Berechnungsformel des DIAAS´ hervor.

 

Welches Referenzprotein wird beim DIAAS verwendet?

Für eine verbesserte Abbildung der altersspezifischen Anforderungen an eine optimale Proteinversorgung wird nun nicht mehr nur ein allgemein gültiges Referenzprotein, wie bei der PDCAAS-Methode, verwendet, sondern bei der DIAAS-Methode sind nun drei verschiedene Referenzproteine festgelegt worden.


Referenzprotein für Säuglinge bis zu 6 Monaten

Das erste Referenzprotein gilt für Säuglinge mit einem Alter von bis zu 6 Monaten und entspricht der durchschnittlichen Aminosäuren-Zusammensetzung der Muttermilch. Es gilt noch nicht als gesichert, dass die Anforderung an ein Referenzprotein für Säuglingsnahrung durch das Aminosäurenprofil der Muttermilch korrekt und ausreichend dargestellt werden kann. Da jedoch anzunehmen ist, dass Muttermilch den Eiweißbedarf eines Säuglings bis zu einem Alter von 6 Monaten zufriedenstellend deckt, empfiehlt die FAO dieses Aminosäurenprofil als bisher beste Schätzung für diese Altersgruppe.8

Dieses Referenzprotein soll auch für regulatorische Zwecke in Bezug auf Säuglingsnahrung Anwendung finden.


Aminosäuren

g pro 100 g Eiweiß

Histidin

2,1

Isoleucin

5,5

Leucin

9,6

Lysin

6,9

Methionin + Cystin

3,3

Phenylalanin + Tyrosin

9,4

Threonin

4,4

Tryptophan

1,7

Valin

5,5

Tabelle 8: DIAAS-Referenzprotein für Säuglinge bis zu 6 Monaten, Aminosäurenzusammensetzung von durchschnittlicher Muttermilch (WHO, Technical Report Series No. 935, Protein and Amino Acid Requirements in Human Nutrition, 2007, S. 178, Table 34 und FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 28, Table 4 und S. 29, Table 5.)


Referenzprotein für Kleinkinder von 6 Monaten bis zu 3 Jahren

Das zweite Referenzprotein bezieht sich auf Kleinkinder mit einem Alter von 6 Monaten bis zu 3 Jahren. Die Anforderung an das Aminosäurenprofil wurde vom FAO/WHO/UNU Report von 2007 für die Altersgruppe von 6 Monaten übernommen9 und ein damaliger, kleiner Berechnungsfehler bei Methionin und Cystin wurde im FAO Report von 2013 korrigiert.

In Bezug auf regulatorische Zwecke soll dieses Referenzprotein nicht nur auf die Altersgruppe von 6 Monaten bis zu 3 Jahren angewendet werden, sondern ebenso für die dritte Altersgruppe, d. h. für alle übrigen Bevölkerungsgruppen, außer Säuglingen.10 Betroffen sind diesbezüglich also alle Nahrungsmittel, außer Säuglingsnahrung.


Aminosäuren

g pro 100 g Eiweiß

Histidin

2,0

Isoleucin

3,2

Leucin

6,6

Lysin

5,7

Methionin + Cystin

2,7

Phenylalanin + Tyrosin

5,2

Threonin

3,1

Tryptophan

0,85

Valin

4,3

Tabelle 9: DIAAS-Referenzprotein für Kleinkinder von 6 Monaten bis 3 Jahren (FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 27, Table 3 und S. 29, Table 5.)


Referenzprotein für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene

Das dritte Referenzprotein ist anzuwenden auf alle Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene. Die Werte für dieses Referenzprotein stammen aus dem Anforderungsprofil des FAO/WHO/UNU Reports von 2007 für Kinder mit einem Alter von 3 Jahren bis zu 10 Jahren.11 Auch hier wurden zwei kleine Berechnungsfehler bei Isoleucin und bei Methionin und Cystin im FAO Report von 2013 korrigiert.

Zu regulatorischen Zwecken soll dieses Referenzprotein nicht verwendet werden.


Aminosäuren

g pro 100 g Eiweiß

Histidin

1,6

Isoleucin

3,0

Leucin

6,1

Lysin

4,8

Methionin + Cystin

2,3

Phenylalanin + Tyrosin

4,1

Threonin

2,5

Tryptophan

0,66

Valin

4,0

Tabelle 10: DIAAS-Referenzprotein für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene (FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 27, Table 3 und S. 29, Table 5.)


Wird ein DIAAS über 100 gekürzt?

Bei der Berechnung des DIAAS´ können sich auch Werte über 100 ergeben und ähnlich, wie beim PDCAAS, stellt sich hier die Frage, ob es sinnvoll ist, Werte über 100 auf 100 zu kürzen. Eine generelle Kürzung des DIAAS´, im Gegensatz zum PDCAAS, wird aber nicht vorgenommen. Lediglich für die gesamte Bewertung der Protein- bzw. Aminosäurenaufnahme bei einer Mischkost oder bei einer einzigen und ausschließlichen Nahrungsquelle, wie das beispielsweise bei Säuglingsnahrung der Fall sein kann, ist die Kürzung des DIAAS´ bei Werten über 100 sinnvoll und anzuwenden.12

Die Anwendung des DIAAS´ zur Bestimmung einer adäquaten Proteinaufnahme macht die Vorgehensweise bei der Kürzung bzw. Beibehaltung von Werten über 100 deutlich. Damit bei einer Mischkost einzelne Nahrungsproteine von höherer Qualität die Defizite anderer Nahrungsproteine von niedrigerer Qualität ausgleichen können, dürfen also Nahrungsproteine von höherer Qualität mit einem DIAAS über 100 sinnvollerweise nicht gekürzt werden. Andernfalls könnten hochwertige Proteinquellen nicht als solche mit einem höheren DIAAS ausgezeichnet werden und das Potenzial hinsichtlich seiner Fähigkeit einer Kompensation der Defizite anderer Nahrungsproteine wäre nicht erkennbar. Zudem widerspräche dies den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Wird jedoch die gesamte Proteinzufuhr betrachtet, unabhängig davon, ob diese Proteinzufuhr nun aus einer Mischkost oder aus einer einzigen Proteinquelle stammt, darf die Wertigkeit der gesamten Proteinzufuhr einen DIAAS von 100 nicht überschreiten. So wird sichergestellt, dass bei Berechnung des Proteinbedarfs unter Verwendung des DIAAS´ die absolute Menge an benötigtem Eiweiß nicht unter die empfohlene Menge fällt. Wichtig zu beachten ist, dass die empfohlene, gesamte Stickstoffmenge nicht unterschritten wird. Mit einer Kürzung des DIAAS´ auf 100 für die gesamte Proteinzufuhr kann dies gewährleistet werden.

 

Wie wird der DIAAS in der Praxis verwendet?

Praktische Anwendung findet der DIAAS in drei Bereichen:


a) Der DIAAS wird zur Berechnung der Proteinqualität in einer einzigen und ausschließlichen Nahrungsquelle oder in einer Mischkost verwendet, um zu bestimmen, welche Menge bzw. welcher Anteil am individuellen täglichen Proteinbedarf damit gedeckt werden kann.

Die Berechnung des DIAAS´ für eine einzige und ausschließliche Nahrungsquelle ist hierbei deutlich einfacher als für eine Mischkost. Der DIAAS kann direkt mit der zuvor genannten Formel berechnet werden. Ist dieser größer als 100, wird er, wie erläutert, auf 100 gekürzt. Das Proteinäquivalent zum individuellen Proteinbedarf ergibt sich schlussendlich aus der Multiplikation des DIAAS´ und dem absoluten Proteingehalt der Nahrungsquelle, dividiert durch 100.
Zur Veranschaulichung der Berechnung des DIAAS´ für eine einzige Nahrungsquelle wird im Unterkapitel 11.1 ein Berechnungsbeispiel gezeigt und im Unterkapitel 11.2 kann eine interaktive Berechnung für ein beliebiges Testprotein durchgeführt werden.

Für die Berechnung des DIAAS´ einer Mischkost ist schrittweise vorzugehen. Zuerst werden für alle eiweißhaltigen Zutaten die jeweils enthaltenen, tatsächlich verdaulichen Aminosäuren in Gramm berechnet. Dies geschieht für jede einzelne Aminosäure, die im Referenzprotein enthalten ist, und für jede Zutat gesondert. Multipliziert wird dafür die absolute Menge der Zutat in der Mischkost in Gramm, mit dem prozentualen Eiweißgehalt in der Zutat, mit dem jeweiligen, prozentualen Aminosäurengehalt sowie der entsprechenden, wahren, ilealen Verdaulichkeit. Durch die jeweilige Addition der einzelnen, enthaltenen, tatsächlich verdaulichen Aminosäuren aller Zutaten erhält man schließlich deren absolute Mengen in der Mischkost in Gramm. Im nächsten Schritt werden die relativen Mengen der einzelnen, enthaltenen, tatsächlich verdaulichen Aminosäuren in der Mischkost errechnet, indem durch den absoluten Eiweißgehalt in der Mischkost in Gramm dividiert wird. Die relativen Mengen von Aminosäuren, die einer Aminosäurengruppe angehören, werden nun addiert. Dividiert man im letzten Schritt diese relativen Mengen jeder Aminosäure bzw. Aminosäurengruppe durch die entsprechende, relative Menge im Referenzprotein, multipliziert mit 100 und nimmt von allen Teilergebnissen das Minimum, erhält man den DIAAS dieser Mischkost. Ist dieser größer als 100, wird er auf 100 gekürzt. Das Proteinäquivalent zum individuellen Proteinbedarf ergibt sich auch hier aus der Multiplikation des DIAAS´ und dem absoluten Proteingehalt der Mischkost, dividiert durch 100.
Zur Veranschaulichung der Berechnung des DIAAS´ für eine Mischkost wird im Unterkapitel 11.3 ein Berechnungsbeispiel gezeigt und im Unterkapitel 11.4 kann eine interaktive Berechnung für eine Mischkost mit drei unterschiedlichen Eiweißquellen durchgeführt werden.

Das zu wählende Referenzprotein richtet sich bei dieser Anwendung nach der Altersgruppe und ist eines der drei Referenzproteine.


b) Der DIAAS wird auch zur Auszeichnung hochwertiger Proteinquellen verwendet, die andere, niederwertige Proteinquellen ergänzen und damit aufwerten können.

Somit dient der DIAAS als Information, welcher Zusatznutzen von einer hochwertigen Proteinquelle zu erwarten ist. Wichtig zu wissen ist, dass für handelsübliche Produkte, ausgenommen für Säuglingsnahrung, zur Berechnung des DIAAS´ stets das Referenzprotein für Kleinkinder von 6 Monaten bis zu 3 Jahren verwendet wird, dies gilt auch für Produktbeschreibungen und Produktbewerbungen.

Das zu wählende Referenzprotein richtet sich bei dieser Anwendung also nur danach, ob es sich um Säuglingsnahrung handelt oder nicht. Das dritte Referenzprotein für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene findet hier also keine Anwendung.


c) Der DIAAS wird schließlich auch zu regulatorischen Zwecken verwendet.

Für die Einstufung und Überwachung von handelsüblichen, proteinhaltigen Nahrungsmitteln und deren Eignung zu bestimmten Zwecken soll nun ebenfalls der DIAAS herangezogen werden. Der DIAAS soll damit den bisher verwendeten chemischen Index ersetzen.

Das zu wählende Referenzprotein richtet sich auch bei dieser Anwendung nur danach, ob es sich um Säuglingsnahrung handelt oder nicht. Das dritte Referenzprotein für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene findet hier ebenfalls keine Anwendung.


Welche Vor- und Nachteile bringt der DIAAS mit sich?

Der DIAAS stellt bisher die beste und genaueste Methode zur Bestimmung der Qualität eines Nahrungsproteins dar. Dieser Vorteil einer detaillierten Bewertungsmethode bringt aber auch den Nachteil mit sich, eine enorme Menge an belastbaren Daten zur ilealen Verdaulichkeit der einzelnen Aminosäuren für eine Vielzahl von Nahrungsmitteln experimentell zu ermitteln. Bis eine solche, im Aufbau befindliche Datenbank für die wahre, ileale Verdaulichkeit von proteinhaltigen Nahrungsmitteln alle erforderlichen Daten zur Verfügung stellt, kann vorübergehend der DIAAS beim Fehlen der wahren, ilealen Verdaulichkeit auch mit Hilfe der wahren, fäkalen Verdaulichkeit geschätzt werden.

Die Verwendung des DIAAS´ für Nahrungsmittel, welchen kristalline Aminosäuren zugesetzt sind, zeigt sich ebenfalls etwas aufwendiger. Nach Empfehlung der FAO sollte der DIAAS in solchen Fällen nicht nur durch Berechnung ermittelt werden, sondern auch durch biologische Tests anschließend bestätigt werden.13



DIAAS berechnen



Literaturnachweis

1. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 1-2.
2. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 3-4.
3. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 3.
4. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 44.
5. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 3, 12.
6. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 4.
7. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 16.
8. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 26, 28.
9. WHO, Technical Report Series No. 935, Protein and amino acid requirements in human nutrition, 2007, S. 180, Table 36.
10. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 27.
11. WHO, Technical Report Series No. 935, Protein and amino acid requirements in human nutrition, 2007, S. 180, Table 36.
12. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 21.
13. FAO, Food and Nutrition Paper No. 92, Dietary protein quality evaluation in human nutrition, 2013, S. 43.



Abkürzungen

FAO - Food and Agriculture Organization of the United Nations, zu Deutsch: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, auch als Welternährungsorganisation bekannt
PDCAAS - Protein Digestibility-Corrected Amino Acid Score
DIAAS - Digestible Indispensable Amino Acid Score
WHO - World Health Organization, zu Deutsch: Weltgesundheitsorganisation
UNU - United Nations University, zu Deutsch: Universität der Vereinten Nationen








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Biologische Wertigkeit von DIAAS = 293